Artikel vom 22.03.2004
 
 

Schnurstracks fuhren mein Teamkollege Christoph Seifert und meinereiner gleich am Montag nach der Veranstaltung in Spanien zur nächsten nochmal 1100km entfernten WM-Runde in Guimaraes/Portugal, nahe Porto im Norden des Landes. Nach einer umwegreichen Anfahrt kamen wir erst Dienstag Mittag dort an. Dafür wurden wir mit sommerlichen Wetter mehr als belohnt.

Guimaraes liegt in einer Traumgegend,wie für's Endurofahren gemacht! Bereits beim besichtigen der Sonderprüfungen konnten wir erahnen, was in etwa auf uns zukommen würde. Es waren 4 verschiedene Tests zu fahren, einer jedoch nur morgens und abends auf einer Zubringeretappe raus aus der Stadt auf die eigentliche Runde mitten in den Bergen. Diese wurde 3 mal gefahren und dann ging's zurück in die Stadt und zum abendlichen Service ins Fahrerlager.

Doch bevor es am Samstag losging, wurden in den Tagen zuvor die Motorräder getestet, rennfertig geschraubt und einen Tag vor Veranstaltungsbeginn einer technischen Abnahme unterzogen, wie hier beim schnellsten Enduro-Mann der Welt, Juha Salminen zu sehen ist. Anschließend kamen die Bikes in den Parc Ferme. In Guimaraes war der Parc Ferme in einer riesigen Halle untergebracht.

Am Samstag um 9 Uhr ging es dann los, zu einer Endurofahrt die es in sich hatte. Die ganze Runde führte nur durch die Steine, Auffahrten hoch und runter, im engen Bachbett entlang und fast nur Schrittfahren beim trialen durch 1 Million Steine und Felsen. Neben einem Endurotest und einem niemals enden wollenden Crosstest von 8 Minuten Länge, gab es hier auch wieder einen Extrem Test.

Der Test war nicht sehr lang aber an einem steinigen Berghang gelegen und eben extrem schwer zu fahren. Noch in der ersten Runde schlug ich mit dem Motorrad auf der Etappe an einer Steinkannte den Kupplungsdeckel auf und fast alles Oel lief aus dem Motor. Dieses Missgeschick bemerkte ich aber erst als ich am nächsten Test ankam und sah, dass mein Stiefel foller Oel war! Mein erster Gedanke war sch.... das war's dann für heute! Aber mein Betreuer Helmut vom ADAC Pfalz riet, bis zum nächsten Service weiterzufahren und den Schaden zu beheben. Ich fuhr also den Test mit 3 Tropfen Oel im Motor und bekam glücklicherweise gleich danach Hilfe von einem italienischen Betreuer, der Metallkleber dabei hatte und mir sofort half. Mein Betreuer Helmut eilte inzwischen zu seinem Auto und holte eine Flasche Reserveoel für mein Motorrad. Nach 5 o. 10 Minuten war wieder alles heile und ich versuchte ohne Strafzeit die nächste Zeitkontrolle zu erreichen. Die Streckenführung in Portugal war zwar hart, dafür war man mit den Etappenzeiten etwas gnädig. Deshalb schaffte ich es auch rechtzeitig bis zur nächsten ZK. Ab da lief der restliche Tag problemlos weiter. In den Prüfungen fuhr ich das, was mir möglich war und halbwegs fehlerfrei. Die Plagerei wurde dann mit dem 15.Platz belohnt, direkt hinter Teamkollegen Christoph. Am nächsten Morgen folgte dann das gleiche Spiel nochmal. Schon in der 1.Prüfung 5 Minuten nach dem Start hatte ich meinen allmorgentlichen Ausrutscher der mich erstmal wach rüttelte - wahrscheinlich muss das so sein.... . Dafür leistete ich mir im weiteren Tagesverlauf keine gröberen Schnitzer mehr und liess sogar das Motorrad ganz. Der 2.Tag schlauchte mit der Zeit immer mehr und die Sonderprüfungen präsentierten sich auch in einem immer schlechteren Zustand. Der Tag war wirklich harte Arbeit und mit jedem weiteren Streckenkilometer schmerzten die Hände mehr. Wenn es hier geregnet hätte, wären einige Streckenabschnitte echt zum auskotzen geworden. Im Tagesergebnis tauschten Christoph und ich die Platzierungen, er 15. und ich 14. . Die Spitze liegt in etwa "nur" 3 Minuten weit entfernt, wenn man alle Sonderprüfungszeiten addiert - auweia ! Sowie der 2.Fahrtag zu Ende ging, war aber noch lange nicht Feierabend. Wir mussten ja noch 2700km zurück nach Deutschland fahren und da steht am kommenden Wochenende der 2.DM-Lauf im sächsischen Dahlen auf dem Plan.

Swen Enderlein